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Beginn der Entscheidung

Gericht: Europäischer Gerichtshof
Urteil verkündet am 23.10.1986
Aktenzeichen: 321/85
Rechtsgebiete:


Vorschriften:

Quelle: Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften in L-2925 Luxemburg

1. IN ANBETRACHT DER UNABHÄNGIGKEIT DER PRÜFUNGSAUSSCHÜSSE IST DAS BETREFFENDE ORGAN NICHT BEFUGT , DIE ENTSCHEIDUNG EINES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES AUFZUHEBEN ODER ABZUÄNDERN. DIE ANSTELLUNGSBEHÖRDE KANN JEDOCH BEI DER AUSÜBUNG IHRER EIGENEN BEFUGNISSE NICHT DURCH DIE ENTSCHEIDUNG EINES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES , DEREN RECHTSWIDRIGKEIT SICH FOLGERICHTIG AUF IHRE EIGENEN ENTSCHEIDUNGEN AUSWIR KEN KÖNNTE , GEBUNDEN SEIN. IST SIE NICHT IN DER LAGE , IRGENDEINEN BEWERBER ZU ERNENNEN , WEIL SIE DER AUFFASSUNG IST , DASS DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS RECHTSWIDRIG EINEM ODER MEHREREN BEWERBERN DIE ZULASSUNG ZUM AUSWAHLVERFAHREN VERWEIGERT HAT UND DASS DAS GESAMTE AUSWAHLVERFAHREN DADURCH FEHLERHAFT GEWORDEN IST , SO IST SIE VERPFLICHTET , DIESE SITUATION DURCH EINE MIT GRÜNDEN VERSEHENE ENTSCHEIDUNG FESTZUSTELLEN UND DAS AUSWAHLVERFAHREN NACH EINER NEUEN AUSSCHREIBUNG UND DER ETWAIGEN EINSETZUNG EINES NEUEN PRÜFUNGSAUSSCHUSSES IN VOLLEM UMFANG WIEDERAUFZUNEHMEN. ANDERNFALLS HAT DER GERICHTSHOF , DER VON DEN BETROFFENEN ANGERUFEN WIRD , SICH UNMITTELBAR ÜBER DIE RECHTMÄSSIGKEIT DER ENTSCHEIDUNG DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES ZU ÄUSSERN.

2. DIE FÜRSORGEPFLICHT DER VERWALTUNG GEGENÜBER IHREN BEDIENSTETEN SPIEGELT DAS GLEICHGEWICHT ZWISCHEN DEN WECHSELSEITIGEN RECHTEN UND PFLICHTEN WIDER , WELCHES DAS STATUT IN DEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER BEHÖRDE UND DEN ÖFFENTLICHEN BEDIENSTETEN GESCHAFFEN HAT. DIESE PFLICHT SOWIE DER GRUNDSATZ DER ORDNUNGSGEMÄSSEN VERWALTUNG GEBIETEN ES INSBESONDERE , DASS DIE BEHÖRDE , WENN SIE ÜBER DIE SITUATION EINES BEAMTEN ENTSCHEIDET , SÄMTLICHE UMSTÄNDE BERÜCKSICH TIGT , DIE GEEIGNET SIND , IHRE ENTSCHEIDUNG ZU BEEINFLUSSEN , UND DASS SIE DABEI NICHT NUR DEM DIENSTLICHEN INTERESSE , SONDERN AUCH DEM INTERESSE DES BETROFFENEN BEAMTEN RECHNUNG TRAEGT. DIESE VERPFLICHTUNG TRIFFT AUCH EINEN PRÜFUNGSAUSSCHUSS , DER ZWAR VON DEN BEWERBERN MANGELS NÄHERER ANGABEN ZU DIESEM PUNKT IN DER STELLENAUSSCHREIBUNG VERLANGEN KANN , DASS ALLE UNTERLAGEN , DIE ER FÜR ZWECKMÄSSIG HÄLT , IN DER IHM GEEIGNET ERSCHEINENDEN FORM VORGELEGT WERDEN , DER ABER KEINEN BEWERBER AUSSCHLIESSEN DARF , OHNE IHM GELEGENHEIT GEGEBEN ZU HABEN , DIE ZUSÄTZLICHEN BELEGE VORZULEGEN , DURCH DIE SEINE BEWERBUNG BERICHTIGT WERDEN KANN. DIESE ÜBERLEGUNG MUSS INSBESONDERE DANN GELTEN , WENN ES SICH UM EIN ORGANINTERNES AUSWAHLVERFAHREN HANDELT , AN DEM NUR EINE BESCHRÄNKTE ZAHL VON BEWERBERN TEILNIMMT.


URTEIL DES GERICHTSHOFES (DRITTE KAMMER) VOM 23. OKTOBER 1986. - HARTMUT SCHWIERING GEGEN RECHNUNGSHOF DER EUROPAEISCHEN GEMEINSCHAFTEN. - ZULASSUNG ZUM AUSWAHLVERFAHREN - UNEINIGKEIT ZWISCHEN PRUEFUNGSAUSSCHUSS UND AUSTELLUNGSBEHOERDE. - RECHTSSACHE 321/85.

Entscheidungsgründe:

1 HERR H. SCHWIERING , BEDIENSTETER AUF ZEIT BEIM RECHNUNGSHOF DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN , HAT MIT KLAGESCHRIFT , DIE AM 31. OKTOBER 1985 BEI DER KANZLEI DES GERICHTSHOFES EINGEGANGEN IST , KLAGE AUF AUFHEBUNG DER ENTSCHEIDUNG VOM 2. AUGUST 1985 ERHOBEN , DURCH DIE DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS FÜR DAS INTERNE AUSWAHLVERFAHREN CC/A/8/85 ES ABGELEHNT HAT , DEN KLAEGER ZU DEN PRÜFUNGEN DIESES AUSWAHLVERFAHRENS ZUZULASSEN.

2 AM 24. JUNI 1985 VERÖFFENTLICHTE DER RECHNUNGSHOF DIE AUSSCHREIBUNG DES AUSWAHLVERFAHRENS INNERHALB DES ORGANS CC/A/8/85 ZUR BESETZUNG EINER VERWALTUNGSRATSSTELLE DER LAUFBAHN A 7/A 6. DIE DAMIT VERBUNDENE TÄTIGKEIT BESTAND DARIN , UNTER VERANTWORTUNG EINES VORGESETZTEN DIE DIENSTSTELLE ' ' VERWALTUNG ' ' ZU LEITEN UND REFERENTENAUFGABEN IN DEN ZU DIESER DIENSTSTELLE GEHÖRENDEN ARBEITSBEREICHEN WAHRZUNEHMEN.

3 NACH PUNKT VII DER STELLENAUSSCHREIBUNG WAREN DIE BEWERBUNGEN MIT DEN ERFORDERLICHEN BELEGEN ÜBER DIE STUDIEN UND DIE BERUFSERFAHRUNG BEI DER DIENSTSTELLE ' ' PERSONAL ' ' EINZUREICHEN. DER KLAEGER REICHTE SEINEN BEWERBUNGSFRAGEBOGEN MIT AUS SEINER PERSONALAKTE FOTOKOPIERTEN BELEGEN FRISTGERECHT EIN.

4 MIT SCHREIBEN VOM 2. AUGUST 1985 TEILTE DER VORSITZENDE DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES FÜR DAS AUSWAHLVERFAHREN DEM KLAEGER MIT , DASS DER AUSSCHUSS IHN NICHT ZU DEN PRÜFUNGEN DES AUSWAHLVERFAHRENS ZUGELASSEN HABE , DA SEIN BEWERBUNGSFRAGEBOGEN NICHT DEN VORSCHRIFTEN IN PUNKT VII DER STELLENAUSSCHREIBUNG ENTSPROCHEN HABE. UNTER ' ' BELEG ' ' SEI NÄMLICH ENTWEDER EIN ORIGINALBELEG ODER EINE VON EINER DAZU BEFUGTEN STELLE BEGLAUBIGTE ABSCHRIFT EINES ORIGINALS ZU VERSTEHEN. KEINES DER DEM BEWERBUNGSFRAGEBOGEN BEIGEFÜGTEN SCHRIFTSTÜCKE HABE ABER DIESER BEDINGUNG ENTSPROCHEN.

5 NACHDEM DER LEITER DER PERSONALABTEILUNG DES RECHNUNGSHOFES DEN VORSITZENDEN DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES DARAUF HINGEWIESEN HATTE , DASS IHM DIE RECHTMÄSSIGKEIT MEHRERER ABLEHNUNGSBESCHEIDE IM HINBLICK AUF DIE BEDINGUNGEN DER STELLENAUSSCHREIBUNG ZWEIFELHAFT ERSCHEINE , TEILTE DER VORSITZENDE DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES MIT SCHREIBEN VOM 12. AUGUST 1985 DEM KLAEGER WIE IM ÜBRIGEN AUCH DEN DREIZEHN ANDEREN VOM AUSWAHLVERFAHREN AUSGESCHLOSSENEN BEWERBERN MIT , DASS ER BIS ZUM 30. SEPTEMBER 1985 GEMÄSS ARTIKEL 2 DES ANHANGS III DES STATUTS GEGEBENENFALLS ZU DER ENTSCHEIDUNG ÜBER SEINE NICHTZULASSUNG STELLUNG NEHMEN KÖNNE. IN DIESEM SCHREIBEN WURDE AUSSERDEM FESTGESTELLT , DASS DIE EINREICHUNG NEUER UNTERLAGEN NICHT MEHR ZULÄSSIG SEI.

6 MIT SCHREIBEN VOM 4. OKTOBER 1985 SETZTE DIE ANSTELLUNGSBEHÖRDE DEN PRÜFUNGSAUSSCHUSS DAVON IN KENNTNIS , WIE SIE DEN BEGRIFF ' ' BELEG ' ' AUSLEGE :

' ' WAS DIE BELEGE ANGEHT , SO RÄUMT ARTIKEL 2 ABSATZ 2 DES ANHANGS III DES STATUTS DEM PRÜFUNGSAUSSCHUSS DIE MÖGLICHKEIT EIN , IN ZWEIFELSFÄLLEN ZUSÄTZLICH UNTERLAGEN ODER AUSKÜNFTE ALLER ART ANZUFORDERN. DA ES SICH IM VORLIEGENDEN FALL UM EIN INTERNES AUSWAHLVERFAHREN HANDELT , AN DEM EINE BESCHRÄNKTE ZAHL VON BEWERBERN ( 14 ), DARUNTER EINE REIHE VON BEAMTEN AUF LEBENSZEIT , TEILGENOMMEN HAT , GEBIETET DIE WOHLVERSTANDENE FÜRSORGEPFLICHT , DASS DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS DIESE VORSCHRIFT ANWENDET. IM ÜBRIGEN VERLANGT DER WORTLAUT DER IN FRAGE STEHENDEN STELLENAUSSCHREIBUNG IM UNTERSCHIED ZUR AUSSCHREIBUNG VON ALLGEMEINEN AUSWAHLVERFAHREN NICHT , DASS IN DIESEM STADIUM DES VERFAHRENS ORIGINALE ODER BEGLAUBIGTE SCHRIFTSTÜCKE VORGELEGT WERDEN. ' '

7 TROTZ DIESES SCHREIBENS UND EINES ANTRAGS DES KLAEGERS VOM 22. AUGUST 1985 AN DEN VORSITZENDEN DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES , DIE ENTSCHEIDUNG ÜBER DIE NICHTZULASSUNG ZUM AUSWAHLVERFAHREN ZU ÜBERPRÜFEN , BESTÄTIGTE DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS MIT ENTSCHEIDUNG VOM 28. OKTOBER 1985 MIT DERSELBEN BEGRÜNDUNG SEINE ENTSCHEIDUNG VOM 2. AUGUST 1985 , DEN KLAEGER NICHT ZUM AUSWAHLVERFAHREN ZUZULASSEN. DIESE ENTSCHEIDUNG IST GEGENSTAND DER VORLIEGENDEN KLAGE.

8 DER KLAEGER MACHT GELTEND , ER ERFÜLLE ALLE VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE ZULASSUNG ZUM AUSWAHLVERFAHREN UND DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS HABE SEINE BEWERBUNG AUFGRUND EINER FEHLERHAFTEN AUSLEGUNG DES - IM RECHT DES ÖFFENTLICHEN DIENSTES SONST UNGEBRÄUCHLICHEN - BEGRIFFS ' ' BELEG ' ' IM SINNE VON ' ' URSCHRIFT ' ' ODER ' ' BEGLAUBIGTER ABSCHRIFT ' ' ABGELEHNT. AUSSERDEM HABE DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS SEINE FÜRSORGEPFLICHT GE GENÜBER DEN BEDIENSTETEN DES ORGANS VERLETZT , DA ARTIKEL 2 DES ANHANGS III DES STATUTS IHM DIE MÖGLICHKEIT ERÖFFNET HÄTTE , IM ZWEIFELSFALL ZU VERLANGEN , DASS DIE ÜBEREINSTIMMUNG DER VOM KLAEGER VORGELEGTEN FOTOKOPIERTEN DOKUMENTE MIT DEM ORIGINAL BEGLAUBIGT WERDE. DAHER HABE ES DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS IN SEINER ENTSCHEIDUNG VOM 28. OKTOBER 1985 AUCH ZU UNRECHT , TROTZ DER AUSFÜHRUNGEN DES KLAEGERS IN SEINEM SCHREIBEN VOM 22. AUGUST 1985 UND DER VON DER ANSTELLUNGSBEHÖRDE ERTEILTEN AUSKÜNFTE , UNTERLASSEN , SEINE URSPRÜNGLICHE ENTSCHEIDUNG VOM 2. AUGUST 1985 ZU ÜBERPRÜFEN.

9 DER RECHNUNGSHOF IST DER AUFFASSUNG , DIE KLAGE SEI BEGRÜNDET. DIE AUSFÜHRUNGEN DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES IN SEINEN SCHREIBEN AN DEN KLAEGER VOM 2. AUGUST UND 28. OKTOBER 1985 SEIEN IN ANBETRACHT DER BEDINGUNGEN DER STELLENAUSSCHREIBUNG , DES SCHREIBENS DES KLAEGERS VOM 22. AUGUST 1985 UND DER EINDEUTIGEN STELLUNGNAHME DER ANSTELLUNGSBEHÖRDE IN IHREM SCHREIBEN VOM 4. OKTOBER 1985 RECHTLICH NICHT VERTRETBAR.

10 AUSSERDEM TRAEGT DER RECHNUNGSHOF VOR , ER HABE DIE MÖGLICHKEIT IN BETRACHT GEZOGEN , DIE UNTER OFFENSICHTLICH SCHWEREN MÄNGELN LEIDENDEN NICHTZULASSUNGSBESCHEIDE AUFZUHEBEN UND EINEN NEUEN PRÜFUNGSAUSSCHUSS MIT DER ERNEUTEN PRÜFUNG DER ZULASSUNGSVORAUSSETZUNGEN ZU BETRAUEN. IN ANBETRACHT DER STÄNDIGEN RECHTSPRECHUNG DES GERICHTSHOFES SEI ER JEDOCH ZU DER ERKENNTNIS GELANGT , DASS ES DER ANSTELLUNGSBEHÖRDE NICHT ERLAUBT SEI , ENTSCHEIDUNGEN VON PRÜFUNGSAUSSCHÜSSEN AUFZUHEBEN ODER ABZUÄNDERN. DIESE SITUATION SEI WENIG GLÜCKLICH.

11 UM ZU DIESER BEMERKUNG DES RECHNUNGSHOFES STELLUNG ZU NEHMEN , IST VOR ALLEM DARAN ZU ERINNERN , DASS NACH STÄNDIGER RECHTSPRECHUNG DES GERICHTSHOFES , DIE AUF DER BEACHTUNG DER UNABHÄNGIGKEIT DER PRÜFUNGSAUSSCHÜSSE BERUHT , DAS BETREFFENDE ORGAN NICHT BEFUGT IST , DIE ENTSCHEIDUNG EINES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES AUFZUHEBEN ODER ABZUÄNDERN ( URTEILE VOM 14. JUNI 1972 IN DER RECHTSSACHE 44/71 , MARCATO/KOMMISSION , SLG. 1972 , 427 , VOM 26. FEBRUAR 1981 IN DER RECHTSSACHE 34/80 , AUTHIE/KOMMISSION , SLG. 1981 , 665 , UND VOM 14. JULI 1983 IN DER RECHTSSACHE 144/82 , DETTI/GERICHTSHOF , SLG. 1983 , 2421 ).

12 DIE ANSTELLUNGSBEHÖRDE IST JEDOCH BEI DER AUSÜBUNG IHRER EIGENEN BEFUGNISSE GEHALTEN , RECHTSFEHLERFREIE ENTSCHEIDUNGEN ZU TREFFEN. SIE KANN DAHER NICHT DURCH ENTSCHEIDUNGEN EINES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES , DEREN RECHTSWIDRIGKEIT SICH FOLGERICHTIG AUF IHRE EIGENEN ENTSCHEIDUNGEN AUSWIRKEN KÖNNTE , GEBUNDEN SEIN.

13 IST DIE ANSTELLUNGSBEHÖRDE ALSO , WIE IM VORLIEGENDEN FALL , DER AUFFASSUNG , DASS DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS RECHTSWIDRIG EINEM ODER MEHREREN BEWERBERN DIE ZULASSUNG ZUM AUSWAHLVERFAHREN VERWEIGERT HAT UND DASS DAS GESAMTE AUSWAHLVERFAHREN DADURCH FEHLERHAFT GEWORDEN IST , SO IST SIE NICHT IN DER LAGE , IRGENDEINEN BEWERBER ZU ERNENNEN. SIE IST DANN VERPFLICHTET , DIESE SITUATION DURCH EINE MIT GRÜNDEN VERSEHENE ENTSCHEIDUNG FESTZUSTELLEN UND DAS AUSWAHLVERFAHREN NACH EINER NEUEN AUSSCHREIBUNG UND DER ETWAIGEN EINSETZUNG EINES NEUEN PRÜFUNGSAUSSCHUSSES IN VOLLEM UMFANG WIEDERAUFZUNEHMEN. LIEGT EINE SOLCHE ENTSCHEIDUNG DER ANSTELLUNGSBEHÖRDE NICHT VOR , SO HAT DER GERICHTSHOF , DER VON DEN BETROFFENEN ANGERUFEN WIRD , UNMITTELBAR ÜBER DIE RECHTMÄSSIGKEIT DER ENTSCHEIDUNG DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES ZU BEFINDEN.

14 WAS DIE PRÜFUNG DER RECHTMÄSSIGKEIT DER ENTSCHEIDUNG ÜBER DIE NICHTZULASSUNG ZUM AUSWAHLVERFAHREN ANGEHT , DIE DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS IM VORLIEGENDEN FALL GETROFFEN HAT , SO IST DARAUF HINZUWEISEN , DASS PUNKT VII DER AUSSCHREIBUNG DES AUSWAHLVERFAHRENS INNERHALB DES ORGANS CC/A/8/85 FOLGENDES BESTIMMT : ' ' ES WERDEN NUR BEWERBUNGSFRAGEBOGEN BERÜCKSICHTIGT ,... DENEN DIE ERFORDERLICHEN BELEGE ÜBER DIE STUDIEN UND DIE BERUFSERFAHRUNG BEIGEFÜGT SIND. ' '

15 BEI DER ANWENDUNG DIESER BESTIMMUNG WAR DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS DER AUFFASSUNG , DASS DIE ' ' ERFORDERLICHEN BELEGE ÜBER DIE STUDIEN UND DIE BERUFSERFAHRUNG ' ' NUR ORIGINALE ODER VON EINER DAZU BEFUGTEN STELLE BEGLAUBIGTE FOTOKOPIEN VON ORIGINALEN SEIN KÖNNTEN. AUSSERDEM MEINTE ER , DASS ER DEN KLAEGER NICHT AUFFORDERN KÖNNE , SEINE BEWERBUNG NACH DER EINREICHUNG DES BEWERBUNGSFRAGEBOGENS DURCH VORLAGE DERARTIGER SCHRIFTSTÜCKE ZU ERGÄNZEN.

16 WAS DEN ERSTEN PUNKT ANGEHT , SO KONNTE DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS MIT GUTEM RECHT , UM JEDE TÄUSCHUNGSGEFAHR AUSZUSCHLIESSEN , VERLANGEN , DASS DIE ANGABEN DER BEWERBER ÜBER IHRE STUDIEN ODER IHRE BERUFSERFAHRUNG DURCH ORIGINALE ODER KOPIEN VON ORIGINALEN BESTÄTIGT WERDEN.

17 DAGEGEN IST DAS GEGENÜBER EINEM BEWERBER AUSGESPROCHENE VERBOT , EINEN BEWERBUNGSFRAGEBOGEN , DEM URSPRÜNGLICH EINFACHE FOTOKOPIEN BEIGEFÜGT WAREN , DURCH DIE VORLAGE VON ORIGINALEN ODER BEGLAUBIGTEN KOPIEN VON ORIGINALEN ZU ERGÄNZEN , NICHT ZU RECHTFERTIGEN.

18 WIE DER GERICHTSHOF IN SEINEN URTEILEN VOM 28. MAI 1980 IN DEN VERBUNDENEN RECHTSSACHEN 33 UND 75/79 ( KUHNER/KOMMISSION , SLG. 1980 , 1677 ) UND VOM 9. DEZEMBER 1982 IN DER RECHTSSACHE 191/81 ( PLUG/KOMMISSION , SLG. 1982 , 4229 ) ENTSCHIEDEN HAT , SPIEGELT DIE - ALLERDINGS IM BEAMTENSTATUT NICHT ERWÄHNTE - FÜRSORGEPFLICHT DER VERWALTUNG GEGENÜBER IHREN BEDIENSTETEN , DIE AUCH FÜR DEN PRÜFUNGSAUSSCHUSS EINES AUSWAHLVERFAHRENS GILT , DAS GLEICHGEWICHT ZWISCHEN DEN WECHSELSEITIGEN RECHTEN UND PFLICHTEN WIDER , WELCHES DAS STATUT IN DEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER BEHÖRDE UND DEN ÖFFENTLICHEN BEDIENSTETEN GESCHAFFEN HAT. DIESE PFLICHT SOWIE DER GRUNDSATZ DER ORDNUNGSGEMÄSSEN VERWALTUNG GEBIETEN ES INSBESONDERE , DASS DIE BEHÖRDE , WENN SIE ÜBER DIE SITUATION EINES BEAMTEN ENTSCHEIDET , SÄMTLICHE UMSTÄNDE BERÜCKSICHTIGT , DIE GEEIGNET SIND , IHRE ENTSCHEIDUNG ZU BEEINFLUSSEN , UND DASS SIE DABEI NICHT NUR DEM DIENSTLICHEN INTERESSE , SONDERN AUCH DEM INTERESSE DES BETROFFENEN BEAMTEN RECHNUNG TRAEGT.

19 NACH ARTIKEL 2 ABSATZ 2 DES ANHANGS III DES STATUTS ÜBER DAS AUSWAHLVERFAHREN , WONACH VON DEN BEWERBERN ' ' ZUSÄTZLICH UNTERLAGEN ODER AUSKÜNFTE ALLER ART ANGEFORDERT WERDEN ' ' KÖNNEN , KANN DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS ABER GERADE , WENN ER ZWEIFEL HAT , VERLANGEN , DASS ALLE UNTERLAGEN , DIE ER FÜR ZWECKMÄSSIG HÄLT , IN DER IHM GEEIGNET ERSCHEINENDEN FORM VORGELEGT WERDEN.

20 IST DAHER IN DER AUSSCHREIBUNG EINES AUSWAHLVERFAHRENS OHNE WEITERE ANGABEN VON DER VORLAGE VON ' ' BELEGEN ' ' DIE REDE , SO KANN DER PRÜFUNGSAUSSCHUSS , DER DIESEN BEGRIFF ENG IM SINNE VON ' ' ORIGINAL ODER BEGLAUBIGTER ABSCHRIFT ' ' AUSGELEGT HAT , NICHT OHNE VERSTOSS GEGEN DIE VORERWÄHNTEN GRUNDSÄTZE EINEN BEWERBER AUSSCHLIESSEN , OHNE IHM GELEGENHEIT GEGEBEN ZU HABEN , DIE ZUSÄTZLICHEN BELEGE VORZULEGEN , DURCH DIE SEINE BEWERBUNG BERICHTIGT WERDEN KANN. DIESE ÜBERLEGUNG MUSS INSBESONDERE DANN GELTEN , WENN ES SICH , WIE IM VORLIEGENDEN FALL , UM EIN ORGANINTERNES AUSWAHLVERFAHREN HANDELT , AN DEM NUR EINE BESCHRÄNKTE ZAHL VON BEWERBERN TEILNIMMT.

21 DIE ENTSCHEIDUNGEN VOM 2. AUGUST UND 28. OKTOBER 1985 , DURCH DIE DEM KLAEGER DIE TEILNAHME AN DEM AUSWAHLVERFAHREN VERWEHRT WORDEN IST , SIND DAHER AUFZUHEBEN.

Kostenentscheidung:

KOSTEN

22 GEMÄSS ARTIKEL 69 PAR 2 DER VERFAHRENSORDNUNG IST DIE UNTERLIEGENDE PARTEI ZUR TRAGUNG DER KOSTEN ZU VERURTEILEN. UNTER DEN UMSTÄNDEN DES VORLIEGENDEN FALLES KÖNNEN DIE KOSTEN DES VERFAHRENS NUR DEM RECHNUNGSHOF AUFERLEGT WERDEN , AUCH WENN ER BEANTRAGT HAT , DER KLAGE STATTZUGEBEN.

Tenor:

AUS DIESEN GRÜNDEN

HAT

DER GERICHTSHOF ( DRITTE KAMMER )

FÜR RECHT ERKANNT UND ENTSCHIEDEN :

1 ) DIE ENTSCHEIDUNGEN DES PRÜFUNGSAUSSCHUSSES FÜR DAS AUSWAHLVERFAHREN CC/A/8/85 VOM 2. AUGUST UND 28. OKTOBER 1985 , DURCH DIE DIE ZULASSUNG DES KLAEGERS ZU DEM AUSWAHLVERFAHREN ABGELEHNT WORDEN IST , WERDEN AUFGEHOBEN.

2 ) DER RECHNUNGSHOF TRAEGT SÄMTLICHE KOSTEN DES VERFAHRENS.

Ende der Entscheidung

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