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Beginn der Entscheidung

Gericht: Europäischer Gerichtshof
Urteil verkündet am 29.09.1987
Aktenzeichen: 81/86
Rechtsgebiete:


Vorschriften:

Quelle: Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften in L-2925 Luxemburg

1. DIE SCHADENSERSATZKLAGE DER ARTIKEL 178 UND 215 ABSATZ 2 EWG-VERTRAG IST ALS EIN SELBSTÄNDIGER RECHTSBEHELF MIT EIGENER FUNKTION IM SYSTEM DER KLAGEMÖGLICHKEITEN GESCHAFFEN UND VON VORAUSSETZUNGEN ABHÄNGIG GEMACHT WORDEN, DIE IHREM BESONDEREN ZWECK ANGEPASST SIND. ZWAR IST SIE IM HINBLICK AUF DAS GESAMTE SYSTEM DES RECHTSSCHUTZES FÜR DEN EINZELNEN ZU BEURTEILEN, UND IHRE ZULÄSSIGKEIT KANN DAHER IN BESTIMMTEN FÄLLEN VON DER ERSCHÖPFUNG DER INNERSTAATLICHEN KLAGEMÖGLICHKEITEN ABHÄNGIG SEIN, MIT DENEN DIE AUFHEBUNG EINER ENTSCHEIDUNG DER NATIONALEN BEHÖRDE BETRIEBEN WERDEN KANN; DAZU IST ALLERDINGS ERFORDERLICH, DASS DIESE NATIONALEN KLAGEMÖGLICHKEITEN DEN SCHUTZ DER BETROFFENEN EINZELNEN WIRKSAM SICHERSTELLEN UND DASS SIE ZUM ERSATZ DES GELTEND GEMACHTEN SCHADENS FÜHREN KÖNNEN. DIES IST BEI EINER AUF EINE GEMEINSCHAFTSVERORDNUNG GESTÜTZTEN WEIGERUNG DER NATIONALEN BEHÖRDEN, EINE AUSFUHRLIZENZ ZU ERTEILEN, NICHT DER FALL. WEDER DIE AUFHEBUNG EINER SOLCHEN WEIGERUNG DURCH DAS NATIONALE GERICHT NOCH DIE FESTSTELLUNG DER UNGÜLTIGKEIT DER FRAGLICHEN VERORDNUNGSBESTIMMUNGEN, ZU DER DIESES GERICHT NACH DURCHFÜHRUNG DES VERFAHRENS GEMÄSS ARTIKEL 177 EWG-VERTRAG GELANGEN KÖNNTE, KÖNNTE ZUR FOLGE HABEN, DASS DEM BETREFFENDEN WIRTSCHAFTSTEILNEHMER EIN ANSPRUCH AUF ERTEILUNG DER LIZENZ ODER AUF ERSATZ DES IHM MÖGLICHERWEISE ENTSTANDENEN SCHADENS ZUGESPROCHEN WIRD.

2. DADURCH, DASS SIE DIE ERTEILUNG VON AUSFUHRLIZENZEN NUR FÜR DIE HERSTELLER VORSIEHT, BEGRÜNDET DIE VON DEN GEMEINSCHAFTSORGANEN ZUR DURCHFÜHRUNG DER VEREINBARUNG ZWISCHEN DER GEMEINSCHAFT UND DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA ÜBER DEN HANDEL MIT STAHLROHREN EINGEFÜHRTE REGELUNG KEINE DISKRIMINIERUNG GEGENÜBER DEN UNTERNEHMEN, DIE DIESE ERZEUGNISSE VERTREIBEN. DIE GEMEINSCHAFTSHERSTELLER SIND NÄMLICH VON DER GENANNTEN VEREINBARUNG, DIE NUR DIE AUS DER GEMEINSCHAFT STAMMENDEN ERZEUGNISSE ERFASST, EBENSOWENIG BETROFFEN WIE DIE VERTRIEBSUNTERNEHMEN, DENEN ZUM EINEN VON EINEM HERSTELLER EINE LIZENZ ÜBERTRAGEN WERDEN KANN, UND DIE ZUM ANDEREN IHRE AUSFUHREN AUS VON DRITTLÄNDERN STAMMENDEN ERZEUGNISSEN FORTSETZEN KÖNNEN. WENN SICH ALLERDINGS ZEIGEN SOLLTE, DASS DIE VERTRIEBSUNTERNEHMEN ALS GRUPPE VON WIRTSCHAFTSTEILNEHMERN EINEN UNVERHÄLTNISMÄSSIG HOHEN ANTEIL DER MIT DER VEREINBARUNG VERBUNDENEN LASTEN ZU TRAGEN HABEN, SO WÄRE ES SACHE DER GEMEINSCHAFTSORGANE, DEM DURCH GEEIGNETE MASSNAHMEN ABZUHELFEN.

3. BEI DER AUFTEILUNG DES DURCH DIE VEREINBARUNG ZWISCHEN DER GEMEINSCHAFT UND DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA ÜBER DEN HANDEL MIT STAHLROHREN FESTGESETZTEN GEMEINSCHAFTSAUSFUHRPLAFONDS AUF DIE MITGLIEDSTAATEN VERFÜGT DER RAT ÜBER EINEN ERMESSENSSPIELRAUM, DESSEN ÜBERSCHREITUNG DERJENIGE NACHWEISEN MUSS, DER DIE ERFOLGTE AUFTEILUNG ANFICHT.


URTEIL DES GERICHTSHOFES (SECHSTE KAMMER) VOM 29. SEPTEMBER 1987. - DE BOER BUIZEN BV GEGEN RAT UND KOMMISSION DER EUROPAEISCHEN GEMEINSCHAFTEN. - AUSSERVERTRAGLICHE HAFTUNG - AUSFUHRREGELUNG FUER STAHLROHRE. - RECHTSSACHE 81/86.

Entscheidungsgründe:

1 DIE DE BÖR BUIZEN BV MIT SITZ IN HEERHUGOWAARD, NIEDERLANDE, HAT MIT KLAGESCHRIFT, DIE AM 17. MÄRZ 1986 IN DER KANZLEI DES GERICHTSHOFES EINGEGANGEN IST, NACH ARTIKEL 178 UND 215 ABSATZ 2 EWG-VERTRAG KLAGE ERHOBEN AUF ERSATZ DES SCHADENS, DER IHR INFOLGE DER DURCHFÜHRUNG DER IM JANUAR 1985 ZWISCHEN DER GEMEINSCHAFT UND DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA GESCHLOSSENEN VEREINBARUNG ÜBER DEN HANDEL MIT STAHLROHREN ( ABL. L*9, S.*2; IM FOLGENDEN : DIE VEREINBARUNG ) DURCH DEN RAT UND DIE KOMMISSION ENTSTANDEN IST.

2 IN IHRER KLAGESCHRIFT BEANTRAGT DIE KLAEGERIN FESTZUSTELLEN, DASS DIE GEMEINSCHAFT FÜR DEN SCHADEN HAFTET, DER IHR DADURCH ENTSTANDEN IST, DASS IHRE AUSFUHREN VON STAHLROHREN NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN SEIT DEM 1.*JANUAR 1985 BEHINDERT WORDEN SIND; SIE HAT JEDOCH ERKLÄRT, DASS SICH DIE PARTEIEN IM WEITEREN VERLAUF DES VERFAHRENS ÜBER DEN UMFANG DES SCHADENS ZU VERSTÄNDIGEN HÄTTEN UND DASS ANDERENFALLS DAS VERFAHREN VOR DEM GERICHTSHOF FORTGESETZT WERDE. DER RAT UND DIE KOMMISSION KONZENTRIEREN SICH IN IHRER KLAGEBEANTWORTUNG AUF DIE FRAGE, OB DIE GEMEINSCHAFT FÜR DEN DER KLAEGERIN ENTSTANDENEN SCHADEN ALS HAFTBAR ANGESEHEN WERDEN MUSS, WOBEI SIE JEDOCH ZWEIFEL AN DEM VORLIEGEN DIESES SCHADENS ÄUSSERN.

3 DA SICH DER STREIT ZWISCHEN DEN PARTEIEN HAUPTSÄCHLICH AUF DIE ZULÄSSIGKEIT DER KLAGE UND DIE EVENTÜLLE RECHTSWIDRIGKEIT DES DEN ORGANEN VORGEWORFENEN VERHALTENS BEZIEHT, IST AUF DIESE FRAGEN ZUERST EINZUGEHEN.

4 WEGEN EINER AUSFÜHRLICHEREN DARSTELLUNG DES RECHTLICHEN RAHMENS DES RECHTSSTREITS, DES SACHVERHALTS UND DES PARTEIVORBRINGENS WIRD AUF DEN SITZUNGSBERICHT VERWIESEN. DER AKTENINHALT WIRD IM FOLGENDEN NUR INSOWEIT WIEDERGEGEBEN, ALS DIE BEGRÜNDUNG DES URTEILS DIES ERFORDERT.

ZUR ZULÄSSIGKEIT

5 DIE BEKLAGTEN ORGANE HALTEN DIE KLAGE FÜR UNZULÄSSIG. DER KLAGEWEG NACH DEN ARTIKELN 178 UND 215 ABSATZ 2 EWG-VERTRAG STEHE EINEM UNTERNEHMEN NICHT OFFEN, WENN IHM EIN ANDERER KLAGEWEG EINEN WIRKSAMEN RECHTSSCHUTZ BIETEN KÖNNE. SO LAEGEN DIE DINGE IM VORLIEGENDEN FALL, DA DIE KLAEGERIN DIE MÖGLICHKEIT GEHABT HABE, DIE BESCHEIDE, MIT DENEN DIE AUSSTELLUNG VON AUSFUHRLIZENZEN VERWEIGERT WORDEN SEI, VOR DEN NATIONALEN GERICHTEN ANZUFECHTEN.

6 DER RAT FÜHRT AUS, DIE VEREINBARUNG SEI IM WESENTLICHEN MIT DER VERORDNUNG NR. 60/85 DES RATES VOM 9.*JANUAR 1985 ÜBER DIE BESCHRÄNKUNG DER AUSFUHR VON STAHLROHREN NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA ( ABL. L*9, S.*13 ) DURCHGEFÜHRT WORDEN. IN ARTIKEL 5 ABSATZ 1 DIESER VERORDNUNG SEI JEDOCH AUSDRÜCKLICH VORGESEHEN, DASS DIE AUSFUHRLIZENZEN VON DEN ZUSTÄNDIGEN BEHÖRDEN JEDES MITGLIEDSTAATS IM RAHMEN DER IHM ZUGEWIESENEN QUOTE ERTEILT WÜRDEN. DIE AUFTEILUNG DIESES NATIONALEN ANTEILS AUF DIE UNTERNEHMEN SEI SOMIT AUSSCHLIESSLICH SACHE DER NATIONALEN BEHÖRDEN.

7 NACH AUFFASSUNG DER KOMMISSION HÄTTE DIE KLAEGERIN GEGEN DIE NICHTERTEILUNG EINER AUSFUHRLIZENZ VOR DEM ZUSTÄNDIGEN NATIONALEN GERICHT VORGEHEN UND IN DIESEM RAHMEN DIE FRAGE DER GÜLTIGKEIT DER GEMEINSCHAFTSVERORDNUNGEN AUF DIESEM GEBIET AUFWERFEN MÜSSEN. WÄRE IN DIESEM VERFAHREN FESTGESTELLT WORDEN, DASS DIE LIZENZ ZU UNRECHT VERWEIGERT WORDEN SEI, HÄTTE DIE KLAEGERIN UNTER BERUFUNG AUF DIESE FESTSTELLUNG AUF NATIONALER EBENE DIE WIEDERGUTMACHUNG EINES EVENTÜLLEN SCHADENS VERLANGEN KÖNNEN.

8 INSOWEIT IST ZU BEMERKEN, DASS DIE KLAEGERIN NICHT DIE MASSNAHMEN ANGREIFT, DIE VON DEN NATIONALEN BEHÖRDEN ZUR DURCHFÜHRUNG DER GEMEINSCHAFTSVERORDNUNGEN GETROFFEN WORDEN SIND, SONDERN DIESE VERORDNUNGEN SELBST; SIE WIRFT NÄMLICH DEM RAT UND DER KOMMISSION VOR, DIE ERTEILUNG VON LIZENZEN FÜR DIE AUSFUHR VON STAHLROHREN NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN DURCH DIE NATIONALEN BEHÖRDEN DEN ERZEUGERN DIESER WAREN VORBEHALTEN ZU HABEN. AUS ARTIKEL 5 DER VORERWÄHNTEN VERORDNUNG NR. 60/85 DES RATES SOWIE AUS ARTIKEL 3 DER VERORDNUNG NR. 61/85 DER KOMMISSION VOM 9.*JANUAR 1985 BETREFFEND DIE GEMEINSCHAFTLICHE KONTROLLE DER AUSFUHREN DER ROHRE AUS STAHL NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA ( ABL. L*9, S.*19 ) ERGIBT SICH NÄMLICH, DASS DIE AUSFUHRLIZENZEN NUR DENJENIGEN UNTERNEHMEN ZU ERTEILEN SIND, DIE DIESE WAREN HERSTELLEN.

9 NACH STÄNDIGER RECHTSPRECHUNG DES GERICHTSHOFES IST DIE SCHADENSERSATZKLAGE DER ARTIKEL 178 UND 215 ABSATZ 2 ALS EIN SELBSTÄNDIGER RECHTSBEHELF MIT EIGENER FUNKTION IM SYSTEM DER KLAGEMÖGLICHKEITEN GESCHAFFEN UND VON VORAUSSETZUNGEN ABHÄNGIG GEMACHT WORDEN, DIE IHREM BESONDEREN ZWECK ANGEPASST SIND. ZWAR IST DIE SCHADENSERSATZKLAGE IM HINBLICK AUF DAS GESAMTE SYSTEM DES RECHTSSCHUTZES FÜR DEN EINZELNEN ZU BEURTEILEN, UND IHRE ZULÄSSIGKEIT KANN DAHER IN BESTIMMTEN FÄLLEN VON DER ERSCHÖPFUNG DER INNERSTAATLICHEN KLAGEMÖGLICHKEITEN ABHÄNGIG SEIN, MIT DENEN DIE AUFHEBUNG EINER ENTSCHEIDUNG DER NATIONALEN BEHÖRDE BETRIEBEN WERDEN KANN; DAZU IST ALLERDINGS ERFORDERLICH, DASS DIESE NATIONALEN KLAGEMÖGLICHKEITEN DEN SCHUTZ DER BETROFFENEN EINZELNEN WIRKSAM SICHERSTELLEN UND DASS SIE ZUM ERSATZ DES GELTEND GEMACHTEN SCHADENS FÜHREN KÖNNEN.

10 EINE DERARTIGE SITUATION, IN DER DAS BETROFFENE UNTERNEHMEN DIE ERTEILUNG DER LIZENZ ODER DEN ERSATZ DES DURCH DEREN NICHTERTEILUNG VERURSACHTEN SCHADENS ERLANGEN KÖNNTE, LIEGT JEDOCH HIER NICHT VOR. DIE NATIONALEN BEHÖRDEN WAREN NÄMLICH AUFGRUND DER GENANNTEN BESTIMMUNGEN DER VERORDNUNGEN NRN. 60 UND 61/85 GEHALTEN, AUSFUHRLIZENZEN NUR DEN STAHLROHRE HERSTELLENDEN UNTERNEHMEN ZU ERTEILEN, WÄHREND DIE VERTRIEBSUNTERNEHMEN NUR IM WEGE DER ÜBERTRAGUNG EINER SOLCHEN LIZENZ DURCH EIN PRODUKTIONSUNTERNEHMEN EINE SOLCHE LIZENZ ERHALTEN KONNTEN. DIE AUFHEBUNG DER WEIGERUNG, EINEM VERTRIEBSUNTERNEHMEN EINE SOLCHE LIZENZ ZU ERTEILEN, DURCH EIN NATIONALES GERICHT KANN ALSO NICHT ZUR FOLGE HABEN, DASS DIESES UNTERNEHMEN EINEN ANSPRUCH AUF ERTEILUNG DER LIZENZ ODER AUF ERSATZ DES IHM MÖGLICHERWEISE ENTSTANDENEN SCHADENS HAT. DAS GLEICHE GILT FÜR DIE FESTSTELLUNG DER UNGÜLTIGKEIT DER FRAGLICHEN VERORDNUNGSBESTIMMUNGEN, ZU DER DAS NATIONALE GERICHT GELANGEN KÖNNTE, NACHDEM ES DEM GERICHTSHOF GEMÄSS ARTIKEL 177 EWG-VERTRAG EINE DAHIN GEHENDE FRAGE VORGELEGT HAT.

11 SONACH KANN DER VON DEN BEKLAGTEN ORGANEN ERHOBENEN EINREDE DER UNZULÄSSIGKEIT NICHT STATTGEGEBEN WERDEN.

ZUR BEGRÜNDETHEIT

12 DIE KLAEGERIN MACHT GELTEND, DIE VON DER GEMEINSCHAFT ZUR DURCHFÜHRUNG DER VEREINBARUNG EINGEFÜHRTE REGELUNG SEI RECHTSWIDRIG. ZUM EINEN FÜHRE DIESE REGELUNG ZU EINER DISKRIMINIERUNG DER VERTRIEBSHÄNDLER GEGENÜBER DEN HERSTELLERN, DA NUR DIESE AUSFUHRLIZENZEN FÜR STAHLROHRE ERHALTEN KÖNNTEN. ZUM ANDEREN WERDE MIT IHR DER GEMEINSCHAFTSAUSFUHRPLAFOND IN UNGERECHTER UND DISKRIMINIERENDER WEISE AUF DIE MITGLIEDSTAATEN AUFGETEILT, OHNE DIE HERKÖMMLICHEN HANDELSSTRÖME ZU BERÜCKSICHTIGEN.

13 WAS DIE ANGEBLICHE DISKRIMINIERUNG DER VERTRIEBSHÄNDLER GEGENÜBER DEN HERSTELLERN ANBELANGT, RÄUMT DIE KLAEGERIN EIN, DASS DIE VERORDNUNGEN NRN. 60 UND 61/85 DIE MÖGLICHKEIT DER ÜBERTRAGUNG EINER LIZENZ DURCH EIN PRODUKTIONSUNTERNEHMEN AUF EIN VERTRIEBSUNTERNEHMEN VORSÄHEN. DIESE MÖGLICHKEIT HABE JEDOCH EINEN SEHR BEGRENZTEN PRAKTISCHEN EFFEKT, DA DIE LIZENZEN VON DEN HERSTELLERN SELBST ODER VON IHREN TOCHTERGESELLSCHAFTEN VOLLSTÄNDIG AUSGENUTZT WÜRDEN. DIE VERTRIEBSHÄNDLER WÜRDEN DADURCH DARAN GEHINDERT, IHRE AUSFUHREN VON STAHLROHREN NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN FORTZUSETZEN, OBWOHL ES SIE UND NICHT DIE HERSTELLER GEWESEN SEIEN, DIE DEN AMERIKANISCHEN MARKT FÜR DIE STAHLERZEUGNISSE DER GEMEINSCHAFT ERSCHLOSSEN HÄTTEN.

14 HIERZU IST ZU BEMERKEN, DASS DIE VEREINBARUNG NUR FÜR AUSFUHREN VON AUS DER GEMEINSCHAFT STAMMENDEN STAHLROHREN (" STEEL PIPES AND TUBES... ORIGINATING IN THE COMMUNITY", NR.*1 SATZ 1 ) AUS DER GEMEINSCHAFT NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN GILT. DARAUS ERGIBT SICH, DASS DIE UNTERNEHMEN, DIE DIESE ERZEUGNISSE HERSTELLEN, VON DER AUSFUHRBESCHRÄNKUNG UNMITTELBAR BETROFFEN SIND UND DASS DIE AUSFUHREN VON ERZEUGNISSEN MIT URSPRUNG IN DRITTLÄNDERN DAVON NICHT BERÜHRT SIND, AUCH WENN SIE VON IN DER GEMEINSCHAFT NIEDERGELASSENEN VERTRIEBSUNTERNEHMEN GETÄTIGT WERDEN. ES IST UNSTREITIG, DASS BESTIMMTE DRITTLÄNDER, WIE ÖSTERREICH, RUMÄNIEN UND NORWEGEN, EINEN TEIL IHRER STAHLERZEUGUNG ÜBER UNTERNEHMEN, DIE IN DER GEMEINSCHAFT NIEDERGELASSEN SIND, IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ABSETZEN.

15 SOMIT BEFINDEN SICH DIE STAHLROHRE HERSTELLENDEN UNTERNEHMEN DER GEMEINSCHAFT IN BEZUG AUF DIE AUS DER VEREINBARUNG RESULTIERENDEN AUSFUHRBESCHRÄNKUNGEN NICHT IN DER GLEICHEN LAGE WIE DIE VERTRIEBSUNTERNEHMEN. UNTER DIESEN UMSTÄNDEN WAREN DIE GEMEINSCHAFTSORGANE NICHT VERPFLICHTET, IM RAHMEN DER DURCHFÜHRUNG DIESER VEREINBARUNG EINE REGELUNG EINZUFÜHREN, DIE DIE HERSTELLER UND DIE VERTRIEBSHÄNDLER DER GEMEINSCHAFT AUF DEN GLEICHEN FUSS STELLTE.

16 DARAUS ERGIBT SICH, DASS DIE RÜGE EINER DISKRIMINIERUNG ZWISCHEN VERTRIEBSHÄNDLERN UND HERSTELLERN NICHT STICHHALTIG IST. DIESER SCHLUSS WIRD NICHT DADURCH BEEINTRÄCHTIGT, DASS DIE KLAEGERIN DIE ROHRE NACH EIGENEM BEKUNDEN GEWÖHNLICH AUS BESTIMMTEN MITGLIEDSTAATEN, INSBESONDERE DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, UND NICHT AUS DRITTLÄNDERN BEZOG.

17 DIE VORSTEHENDEN ERWAEGUNGEN IMPLIZIEREN NICHT, DASS DIE GEMEINSCHAFTSORGANE, ALS SIE EIN SYSTEM VON LIZENZEN FÜR DIE AUSFUHR VON ROHREN NACH EINEM DER WICHTIGSTEN MÄRKTE EINFÜHRTEN, NICHT EINE GEWISSE VERANTWORTUNG ANGESICHTS DER BESONDEREN LAGE DER AUF DEN VERTRIEB MIT DIESEN ERZEUGNISSEN SPEZIALISIERTEN UNTERNEHMEN HATTEN, WIE SIE SIE IM ÜBRIGEN DADURCH ANERKANNT HABEN, DASS SIE DIE MÖGLICHKEIT EINER ÜBERTRAGUNG SOLCHER LIZENZEN AUF DIE VERTRIEBSUNTERNEHMEN ERÖFFNETEN. SOLLTE SICH ZEIGEN, DASS DIESE UNTERNEHMEN ALS GRUPPE EINEN UNVERHÄLTNISMÄSSIG HOHEN ANTEIL DER MIT DER BESCHRÄNKUNG DER AUSFUHRMÄRKTE VERBUNDENEN LASTEN ZU TRAGEN HABEN, SO WÄRE ES SACHE DER GEMEINSCHAFTSORGANE, DEM DURCH GEEIGNETE MASSNAHMEN ABZUHELFEN. AUS DEN AKTEN ERGIBT SICH JEDOCH NICHT, DASS DIESE VORAUSSETZUNGEN IM VORLIEGENDEN FALL ERFÜLLT WAREN.

18 WAS DIE GELTEND GEMACHTE DISKRIMINIERUNG ZWISCHEN MITGLIEDSTAATEN ANGEHT, IST ZU BEMERKEN, DASS DIE VEREINBARUNG DIE AUSFUHR VON STAHLROHREN AUS DER GEMEINSCHAFT ALS SOLCHE BETRIFFT, OHNE ZWISCHEN DEN EINZELNEN MITGLIEDSTAATEN ZU UNTERSCHEIDEN UND OHNE AUF DIE HERKÖMMLICHEN AUSFUHRSTRÖME AUS DEN MITGLIEDSTAATEN BEZUG ZU NEHMEN. IN DER VEREINBARUNG WIRD DER GEMEINSCHAFTSPLAFOND FÜR DIE AUSFUHR VON STAHLROHREN AUF 7,6 % DER MARKTVERSORGUNG DER VEREINIGTEN STAATEN FESTGESETZT; MIT DER VERORDNUNG NR. 60/85 WIRD DIE KOMMISSION BEAUFTRAGT, DIE SICH AUS DIESEM PLAFOND ERGEBENDEN MENGEN ZU BERECHNEN, UND IN IHREM ANHANG III WERDEN DIESE MENGEN AUF DIE MITGLIEDSTAATEN AUFGETEILT, INDEM JEDEM VON IHNEN EIN PROZENTSATZ DER MARKTVERSORGUNG DER VEREINIGTEN STAATEN ZUGEWIESEN WIRD. BEI DER LIZENZERTEILUNG HABEN DIE ZUSTÄNDIGEN BEHÖRDEN DER MITGLIEDSTAATEN JEDOCH UNTER ANDEREM "DIE HERKÖMMLICHEN AUSFUHRSTRÖME DER UNTERNEHMEN" SOWIE "DIE HERKÖMMLICHE VERTEILUNG DER AUSFUHRSTRÖME NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN AUF DAS JAHR" ZU BEACHTEN ( ARTIKEL 5 ABSATZ 2 DER VERORDNUNG NR. 60/85 ).

19 UNTER DIESEN UMSTÄNDEN HÄTTE DIE KLAEGERIN DARTUN MÜSSEN, WARUM DER RAT BEI DER AUFTEILUNG DES GEMEINSCHAFTSPLAFONDS AUF DIE MITGLIEDSTAATEN DIE HERKÖMMLICHEN AUSFUHRSTRÖME DER MITGLIEDSTAATEN HÄTTE BEACHTEN MÜSSEN UND WARUM ER DEN ERMESSENSSPIELRAUM, ÜBER DEN ER IM RAHMEN DIESER AUFGABE VERFÜGTE, ÜBERSCHRITTEN HAT. DIE KLAEGERIN HAT SICH JEDOCH AUF DIE ALLGEMEINE - NICHT SUBSTANTIIERTE UND VON DEN BEKLAGTEN ORGANEN BESTRITTENE - THESE BESCHRÄNKT, DASS BESTIMMTE MITGLIEDSTAATEN, NAMENTLICH DIE NIEDERLANDE, EINE ZU HOHE, WEIL DEN HERKÖMMLICHEN AUSFUHRSTRÖMEN NICHT ENTSPRECHENDE QUOTE ERHALTEN HÄTTEN.

20 IM ÜBRIGEN IST HINZUZUFÜGEN, DASS SICH AUS DEN VON DEN PARTEIEN VORGELEGTEN ZAHLEN KEIN DEUTLICHER UNTERSCHIED ZWISCHEN DEN ANTEILEN DER EINZELNEN MITGLIEDSTAATEN AN DER AUSFUHR VON STAHLROHREN NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN IN DER ZEIT VOR DER INKRAFTSETZUNG DER VERORDNUNG EINERSEITS UND DER AUFTEILUNG DES GEMEINSCHAFTSAUSFUHRPLAFONDS AUF DIE MITGLIEDSTAATEN IM ANHANG III DER VERORDNUNG NR. 60/85 ANDERERSEITS ERGIBT.

21 FOLGLICH KANN AUCH DIE RÜGE DER DISKRIMINIERUNG ZWISCHEN MITGLIEDSTAATEN KEINEN ERFOLG HABEN.

22 AUS ALL DIESEN ERWAEGUNGEN ERGIBT SICH, DASS DIE RECHTSWIDRIGKEIT DER MIT DEN VERORDNUNGEN NRN. 60 UND 61/85 EINGEFÜHRTEN AUSFUHRLIZENZREGELUNG NICHT NACHGEWIESEN WORDEN IST. SOMIT BRAUCHT NICHT GEPRÜFT ZU WERDEN, OB DIE ANDEREN VORAUSSETZUNGEN FÜR EINE HAFTUNG DER GEMEINSCHAFT ERFÜLLT SIND.

23 DIE KLAGE IST DESHALB ALS UNBEGRÜNDET ABZUWEISEN.

Kostenentscheidung:

KOSTEN

24 NACH ARTIKEL 69 PAR *2 DER VERFAHRENSORDNUNG IST DIE UNTERLIEGENDE PARTEI ZUR TRAGUNG DER KOSTEN ZU VERURTEILEN. DA DIE KLAEGERIN MIT IHREM VORBRINGEN UNTERLEGEN IST, SIND IHR DIE KOSTEN AUFZUERLEGEN.

Tenor:

AUS DIESEN GRÜNDEN

HAT

DER GERICHTSHOF ( SECHSTE KAMMER )

FÜR RECHT ERKANNT UND ENTSCHIEDEN :

1 ) DIE KLAGE WIRD ABGEWIESEN.

2 ) DIE KLAEGERIN TRAEGT DIE KOSTEN DES VERFAHRENS.

Ende der Entscheidung

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