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Beginn der Entscheidung

Gericht: Oberlandesgericht Frankfurt
Beschluss verkündet am 07.04.2003
Aktenzeichen: 20 W 117/03
Rechtsgebiete: AuslG, FEVG


Vorschriften:

AuslG § 57
FEVG § 5
FEVG § 7
Das Erstbeschwerdegericht muss dem betroffenen Ausländer Gelegenheit geben, sich in Anwesenheit seines Anwalts zur Sache zu äußern.
OBERLANDESGERICHT FRANKFURT AM MAIN BESCHLUSS

20 W 117/03

In dem Freiheitsentziehungsverfahren

hat der 20. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main auf die sofortige weitere Beschwerde des Betroffenen gegen den Beschluss des Landgerichts Wiesbaden - 4. Zivilkammer- vom 18. März 2003 am 7. April 2003 beschlossen:

Tenor:

Der angefochtene Beschluss wird aufgehoben die Sache wird zur neuen Prüfung und Entscheidung an das Landgericht zurückverwiesen.

Gründe:

Die zulässige sofortige weitere Beschwerde des Betroffenen, der sich seit dem 26. Januar 2003 in Abschiebungshaft befindet, hat in der Sache in dem aus der Beschlussformel ersichtlichen Umfang Erfolg.

Die landgerichtliche Entscheidung kann keinen Bestand haben, weil das Landgericht den Betroffenen nicht mündlich angehört hat (zur Bedeutung der persönlichen mündlichen Anhörung im Abschiebungshaftverfahren vgl. BVerfG NVwZ-Beil.1996, 49 = AuAS 1996, 85 = InfAuslR 1996, 198 = ZAR 1996, 141).

Das Landgericht darf grundsätzlich nicht von der mündlichen Anhörung des betroffenen Ausländers absehen. Dies folgt bereits aus dem Wortlaut der §§ 5 und 7 FEVG (vgl. OLG Brandenburg NVwZ-Beil. 2000, 22). In der obergerichtlichen Rechtsprechung besteht deshalb heute Übereinstimmung dahin, dass die mündliche Anhörung des Betroffenen in der Beschwerdeinstanz nur ausnahmsweise unterbleiben darf, etwa, wenn mit Sicherheit auszuschließen ist, dass die erneute Anhörung neue Erkenntnisse bringt; die Nichtanhörung ist durch das Landgericht näher zu begründen (vgl. zur mündlichen Anhörung in der Beschwerdeinstanz BayObLG NVwZ 1992, 814; NVwZ 1993, 103; NVwZ-Beil. 1995, 39; OLG Dresden = InfAuslR 1995, 162; OLG Celle OLG Celle InfAuslR 2001, 346; Nds.Rpfl. 1995, 214 und in der Sache 17 W 15/01 dokumentiert bei Juris; OLG Düsseldorf NVwZ-Beil. 1996, 31 = InfAuslR 1996, 146; FGPrax 1998, 200; OLG Hamm FGPrax 1997, 77 = NVwZ-Beil. 1997, 39 LS; Kammergericht FGPrax 1998, 242; Senat 20 W 203/91 = OLGZ 1992, 171 = NVwZ 1992, 302 = InfAuslR 1992, 13; 20 W 538/95 = NVwZ-Beil. 1996, 40).

Ein Ausnahmefall, der es rechtfertigen könnte, von der nochmaligen persönlichen mündlichen richterlichen Anhörung abzusehen, liegt hier nicht vor. Nach Auffassung des Senats muss einem Betroffenen stets Gelegenheit gegeben werden, sich in Anwesenheit seines Anwalts zur Sache zu äußern (vgl. z.B. 20 W 66/02). Hier kommt hinzu, dass das Landgericht seiner Entscheidung einen anderen Haftgrund als das Amtsgericht zugrundegelegt hat (§ 57 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 anstelle Nr. 1 AuslG). Im übrigen ist bisher nicht hinreichend geklärt, ob der Betroffene mit Vornamen "Guamit" (vgl. z. B. Bl. 1, 5, 6, 8) heißt oder "Gurmit" (vgl. Bl. 15 und 17), wofür auch seine Unterschriften (Bl. 14 und 16) sprechen.

Bei seiner neuen Entscheidung wird das Landgericht Feststellungen dahin treffen müssen, auf grund welcher Umstände der Antragsteller davon ausgeht, dass die Abschiebung innerhalb der beantragten Haftdauer von 3 Monaten durchgeführt werden kann. Nach den Erkenntnissen des Senats dauert die Beschaffung von Ersatzpapieren bei indischen Staatsangehörigen jetzt regelmäßig länger als 6 Monate.

Das Landgericht wird auch zu prüfen haben, ob der Antragsteller das Abschiebungsverfahren/Abschiebungshaftverfahren mit der gebotenen Beschleunigung betreibt. Daran bestehen erhebliche Zweifel. Der Senat geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass eine Ausländerbehörde einen Ausländer, den sie abschieben will, unverzüglich - bei Sprachproblemen mit einem Dolmetscher - in der wie hier nahegelegenen Justizvollzugsanstalt aufsuchen muss, um gemeinsam mit dem Ausländer die Passantragsformulare auszufüllen (vgl. z.B. 20 W 279/95 = FGPrax 1995, 208 = NVwZ-Beil. 1996, 7). Die Übung, die Justizvollzugsanstalt zu ersuchen, für die Ausfüllung der Formulare Sorge zutragen, reicht regelmäßig nicht aus, um dem Beschleunigungsgebot Rechnung zu tragen.

Mit den aufgezeigten Grundsätzen ist es nicht vereinbar, dass sich der Antragsteller erst am 12. Februar 2003 schriftlich an die Justizvollzugsanstalt gewandt und den Eingang der ausgefüllten Formulare, die am 3. März 2003 bei ihm eintrafen, abgewartet hat.

Einer vorherigen Anhörung des Antragstellers durch den Senat bedurfte es in Anbetracht der Eilbedürftigkeit der Sache, aber insbesondere auch deshalb nicht, weil eine vorherige Anhörung zu keiner anderen Entscheidung geführt hätte und der Antragsteller im weiteren Verfahren Gelegenheit zur Äußerung haben wird.

Ende der Entscheidung


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